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Wie gut ist der neue Duden?
Umfangreicher als je zuvor, ist er zur Wiederherstellung des Rechtschreibfriedens nur bedingt geeignet.
Rund 130.000 Stichwörter mit über 500.000 Beispielen verspricht der Duden für seine neueste, die 24. Auflage. Der Grund, dass diese Auflage so schnell der 23. Auflage (August 2004) folgen konnte, waren wohl weniger die 3.000 neuen Begriffe, die aufgenommen worden sind (darunter Publikumsjoker, USB-Stick und Telenovela), sondern die Unzahl der erlaubten Varianten, die der Rat für deutsche Rechtschreibung noch vergrößert hat.
Die Kultusminister und Ministerpräsidenten segneten im März 2006 die Empfeh- lungen des Rates ab mit der Maßgabe, die Ausgestaltung in Zweifelsfällen den Wörterbüchern zu überlassen. Damit war dem Duden wieder ein Rang eingeräumt worden wie bis zur 20. Auflage (1991), wonach die Reformer die Privatisierung der deutschen Rechtschreibung abschafften, wie sie die (west-)deutschen Kultus- minister der Dudenredaktion 1955 eingeräumt hatten.
Allerdings hat der Duden nun Mitbewerber. Etwa den Wahrig, der für 14,95 Euro auf 1.216 Seiten in Tausenden von Fällen andere Empfehlungen gibt als der Duden. "Wer 'korrekt' schreiben will, tut gut daran, das Wörterbuch, nach dem er sich richtet, in Klammern mit anzugeben", kommentiert "Die Welt". Der neue Duden erscheint vierfarbig. Je nachdem, ob die Wörter in Schwarz oder Rot gedruckt, in zweifachem Graublau näher erklärt oder gar leuchtend gelb unterlegt sind, ist die Orthografie unterschiedlich zu handhaben. Matthias Wermke, Leiter der Duden- redaktion, sieht das so: "Deshalb hat sich die Dudenredaktion dazu entschlossen, im neuen Duden immer dort, wo die Regeln mehrere Schreibungen zulassen, die von ihr empfohlene gelb zu unterlegen. Wer sich an diese Duden-Empfehlungen hält, stellt eine einheitliche Rechtschreibung sicher."
Nach welchen Kriterien die gelbe Farbe benutzt worden ist, in vielen Fällen konträr zu den Einträgen in der 23. Auflage, erschließt sich dem Leser nur mit Mühe. Ein weites Feld bietet die Fremdwortschreibung. Wer bisher glaubte, dass Fremdwörter aus lebenden Sprachen nicht eingedeutscht werden sollten, findet richtigerweise Polonaise oder Malaise im neuen Duden, aber Dränage mit ä. So sicher scheint man sich mit den Gelbstellungen doch nicht zu sein, denn Lymphdrainage erscheint wieder mit ai. Es soll Kommuniqué, aber Pappmaschee heißen, das ph verschwindet weitgehend (Delfin, Saxofon, Fotosynthese), das th nicht (Panther, Thunfisch). Es bleibt aber bei Mayonnaise und Portemonnaie.
Bei der Zusammen- und Getrenntschreibung, die der Rechtschreibrat in Teilen verbessert (viele Praktiker meinen allerdings: verschlimmbessert) hat, kann man eine Münze werfen oder pausenlos im neuen Duden blättern. Wer nach dessen Empfehlung zu Hause großschreibt, kommt von allein nicht unbedingt darauf, dass er zugrunde, zunutze, zuleide, zurate, zugunsten zusammenschreiben soll, obwohl auch hier die Zwei-Wörter-Variable regelkonform gewesen wäre; gewinn- bringend steht neben Profit bringend, gnadenbringend neben Segen bringend.
Bei eislaufen und brustschwimmen folgt der Duden den Vorschlägen, die der Rat präsentiert hat; eis und brust sollen angeblich als Substantive verblasst und zu Verbpartikel geworden sein. In Getrenntstellung führt das aber laut Duden zum kleinen eis ("Sie läuft eis") und zur großen Brust ("Sie schwimmt Brust"); möglich, dass der Rat bei dieser Brust-Form an Franzi van Almsick gedacht hat. Ski laufen ist übrigens nicht verblasst, sodass wir im neuen Duden den Eintrag finden: eis- und Ski laufen, Ski und eislaufen.
Wem es zu bunt mit dem neuen Duden werden sollte, muss sich nicht irremachen lassen: 99,5 Prozent der Reformschreibweisen, vor allem die ss/ß-Schreibung, hat der Rat nicht anfassen und der Duden nicht einfärben dürfen.
(Quelle: Hamburger Abendblatt, von Peter Schmachthagen, erschienen am 24. Juli 2006)
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